„Sag mir Deine Philosophie?“

... hat ein litauischer Schauspielkollege 1999 Axel Neumann während Dreharbeiten in der Sahara gefragt. Danach haben die beiden eine Stunde lang geschwiegen.

"Ich bin nichts, die Sache ist alles." Demut ist das Herzstück seiner Philosophie. Außergewöhnliches kann nur entstehen, wenn man sich seiner Aufgabe bedingungslos nähert.

Demut scheint heutzutage negativ besetzt. Viele assoziieren Unterwerfung, verwechseln den Begriff vielleicht sogar mit Demütigung. Demut im ursprünglichen Sinne hat mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darauf, dass einem die eigene Intuition den richtigen Weg weist.

In einem alten Film über Michelangelo besucht Brabante - der Baumeister des Petersdom in Rom - Michelangelo in seiner Werkstatt, als gerade ein großer Stein angeliefert wird. Michelangelo freut sich über den Stein, begutachtet ihn und ruft:
Michelangelo: Da! Moses!
Brabante: Moses?
Michelangelo: Moses! Da in dem Stein. Moses vom Sinai herabgestiegen.
Heiliger Zorn in den Augen.
Brabante: In der Phantasie des Michelangelo?
Michelangelo: Nein, hier, leibhaftig! Er schläft noch. Wie die anderen auch. Gott legt sie hinein, der Bildhauer holt sie heraus.

Theorien oder intellektuellen Debatten bedeuten Axel Neumann nichts. Entscheidend ist, dass der Mensch auch umsetzt, was er sagt.

Oder um es mit den Worten des Künstlers zu sagen: "Nicht quatschen, machen!"

Emotio

"Emotio" ist der Teil des Menschen, den der Künstler mit seinen Bildern ansprechen möchte. Die bereits bekannten Begriffe sind mit zuvielen Vorurteilen belegt. Bei "Seele" denken die Menschen an Religion. Bei "Psyche" entsteht ein wissenschaftliches Bild von der Analyse des Unterbewussten und würde er von "Geist" reden, dann dächten die Leute an Intellekt und Bildung.

Emotio ist das, was bei allen Menschen gleich ist und was alle miteinander verbindet. Es ist das, was unsichtbar in unserem Inneren passiert. Wir können es nicht sehen und dennoch spürt jeder seine Existenz.

Emotio ist das Wichtigste im Leben überhaupt, sie ist das Potenzial schlechthin. Sobald sie frei fließen kann, fühlt sich der Mensch wohl. Nicht umsonst heisst es "der Glaube versetzt Berge".

In uns drin können wir all die Dinge erleben, von denen wir schon immer geträumt haben. Unsere inneren Aktivitäten können sogar unsere Wirklichkeit verändern. Denn letztendlich sind es unsere
Gefühle und unsere Vorstellungskraft, die unsere Wirklichkeit erschaffen. Was in unserer Vorstellung Gestalt annimmt, wird irgendwann Wirklichkeit werden. In welcher Form auch immer. In der Umkehrung heißt das: wir können immer nur die Dinge schaffen, die in unserem Kopf bereits so weit sind. Darum ist die Phantasie so wichtig. Darum ist Kultur so wichtig - sofern sie frei von Dogma ist. Dann kann sie den Grundstein für Veränderung und Entwicklung setzen.

Unseren Fähigkeiten wären keine Grenzen gesetzt, würden wir ihnen nicht ständig künstliche Fesseln anlegen. Wir haben mal einen Dokumentarfilm über irgendein weit abgelegenes Schweizer Bergtal gesehen. Darin fragte der Filmemacher einen uralten Bauern, ob er sein Dorf denn überhaupt jemals verlassen habe. Der alte Mann nickte stolz und antwortete: „Oh ja, ich war schon überall! Ich war in der Antarktis, in Afrika, in Rom und in Amerika, ich war überall! “ Dann tippte er mit einem Finger an seine Stirn und legte nach: „Alles hier in meinem Kopf!“