Über mich

Meine „kulturelle Erweckung“ liegt schon viele Jahre zurück. Ich muss zwischen 12 und 13 Jahre alt gewesen sein. Pflichtlektüre von der Schule: Goethes Faust. Alle haben gestöhnt und gelitten, ich auch. Als klassisches Arbeiterkind war mir dieses "G'scheite" schon immer suspekt gewesen. Aber dann hat es mich voll erwischt. Noch nie zuvor hatte ich etwas so Schönes gelesen. Alles in mir tanzte mit den Worten und Versen mit, es war schön, lustig, spannend, erhebend, ja magisch. Und von dem Tag an war ich eine andere.

Jahre später habe ich dann durch die Füllermalerei das visuelle Kunsterleben für mich entdeckt. Bis dahin war ich blind für Malerei. Ich fand die Kunstwelt irritierend und ausschliessend. Aber bei der Ästhetik der Füllermalerei konnte ich zum ersten Mal Farben und Formen fühlen. Es war wie ein inneres Wachsen. Was für ein radikales Erlebnis! Und wieder war ich eine Andere.
 

Die Füllermalerei kommt aus einer emotionalen Grenzsituation. 1990 hat sich der Künstler 3 Wochen in seiner abgedunkelten Wohnung einschließen lassen. Da wurden Motive vor seinem inneren Auge sichtbar, die ihm bislang fremd waren. Diese Motive können Sie heute auf seinen Bildern sehen. Obwohl diese Erfahrung schon 25 Jahre her ist, hat er noch lange nicht alle Motive abgebildet. Bis heute arbeitet er daran, sie nach und nach auf Papier zu bringen. Sie sind seine Berufung als Künstler.
 

Heutzutage klingt eine solche Geschichte befremdlich. Längst haben wir uns an unser rationalistisches Weltbild gewöhnt. In der Kunst- und Musikgeschichte sind solche Erlebnisse jedoch mehrfach dokumentiert, über unterschiedlichste Epochen hinaus. In der Antike nannte man diese Erfahrung den Abstieg in die Unterwelt.
 

Auch wenn meine Beiträge sehr subjektiv sein werden, ist es mir wichtig, dass sie immer sauber recherchiert sind. Für mich als diplomierte Bibliothekarin ist das Ehrensache.