A perfect match - Kunst trifft auf Wissenschaft

Israelische Professorin fühlt sich durch Axels Kunst in ihren Forschungen bestätigt
Feiertage - endlich Zeit für unser Lieblingsthema: Inkubationen.

Für Neu-Leser: Axels Füllermalerei wurzelt in dieser, aus der Antike bekannten Ritualpraxis. Hier erfahren Sie, was eine Inkubation überhaupt ist.  Noch während seiner Zeit am Theater hatte er sich 3 Wochen in seiner komplett abgedunkelten Wohnung einschließen lassen. Mehr darüber finden Sie auch in seinem Artist Statement.
 
Während wir uns durch zahllose Publikationen über die antike Geisteswelt wühlten, sind wir auf die Arbeiten der in Israel (Ben Gurion Universität der Universität des Negev) lehrenden Historikerin Yulia Ustinova gestoßen. Sie ist auf antike griechische Kulte spezialisiert und hat sich in mehreren Schriften mit dem Phänomen der Höhleninkubationen auseinandergesetzt. Sie nähert sich dem Thema interdisziplinär und integriert Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft, Anthropologie und Linguistik – womit sie unser künstlerisches Interesse geweckt hatte. Wenn Experten sich über die eigenen Fachgrenzen hinauswagen, dann fängt es an spannend zu werden ....
Natürlich war die Lektüre nicht ganz ohne. Historiker setzen viel Vorwissen voraus. Das zwingt zur Disziplin. Immer wieder  müssen wir Fakten und Zusammenhänge nachlesen. Wer war da grad an der Macht? Wie war das nochmal mit den Persern und den Griechen? Am Ende hat man eine phantastische Reise zurückgelegt und verzaubert kehrt man wieder in die eigene Welt zurück.

Einige Fragen ließen sich allerdings nicht durch simple Internetrecherche klären und so haben wir Frau Ustinova direkt angeschrieben. Zu unserer großen Freude erreichte uns noch am selben Tag ihre Antwort:

Liebe Patrizia, (…) Vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie bedeutet mir sehr viel. Aus zwei Gründen: Erstens ist es großartig zu erfahren, dass Ihr Ehemann, ein Mensch der weiß was sensorische Deprivation ist, sich für meine Studien interessiert. Und zweitens: Als ich seine Kunstwerke und Variationen des „Wirbel-Themas“ sah, habe ich gespürt, dass meine Forschungen in die richtige Richtung gehen. Es existiert tatsächilch irgendeine Art von Realität dahinter – es ist großartig, das zu wissen.

Axels Gemälde sind absolut fesselnd! Ich bin sehr dankbar dafür, dass Sie mir ermöglicht haben, sie zu sehen. (…).
Veröffentlichung mit Erlaubnis von Frau Ustinova

Es wird seinen Grund gehabt haben, dass unsere Vorfahren die rituelle Praxis der Inkubation mit so viel Respekt angewandt, gepflegt und über viele Jahrhunderte hinweg tradiert haben. Galt sie doch überall als Möglichkeit göttliche Inspiration und Weisheit zu erlagen. Sie war ein konkretes Mittel, um zur Wahrheit hinter den sichtbaren Dingen zu gelangen.

Der Begriff Vortex war uns bislang übrigens unbekannt. Vortex ist ein Strudel oder Wirbel, so kann man Axels Motive natürlich auch umschreiben. Hier finden Sie ein paar anschauliche Beispiele unsere "Strudel-Motive".

Wer sich selber in das Thema einarbeiten will, kann sich hier auf academia.edu kostenlos Yulia Ustinovas Arbeiten herunterladen. Das ist ein frei zugängliches „Wissenschaftler Netzwerk“, in dem Wissenschaftler aller Fachrichtungen ihre Arbeiten frei zur Verfügung stellen. Notwendig ist nicht mehr als eine kurze formlose Anmeldung per Email und der Zugang öffnet sich in ein - garantiert werbefreies – Eldorado des Wissens.
Patrizia, 11.01.2016·Kommentar schreiben
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Was, bitte sehr, ist denn eine "Inkubation"?

Heute kennen die meisten diesen sperrigen Begriff nur noch aus der Medizin. Der Inkubator als Brutkasten für Frühgeborene. Hinter dem Wort verbirgt sich jedoch eine viel ältere Tradition, die in der Tat etwas mit „Ausbrüten“ zu tun. Mit einem mentalen Ausbrüten allerdings.

Der Pegasus in unserem Logo hat übrigens ebenfalls damit zu tun.
In der antiken Welt war die Inkubation eine weit verbreitete Ritualpraxis, die dem Ziel diente, Krankheiten zu heilen und/oder Orakelsprüche und göttliche Inspirationen zu erhalten. Manchmal auch Tempelschlaf genannt. Inkubationen fanden an heiligen Orten statt und meistens gingen ihnen aufwendige Vorbereitungen voraus: Opfergaben, Abstinenz, Reinigungen und symbolische Handlungen. Dann legten sich die Ratsuchenden reglos in eine unterirdische Kammer, Grotte oder Höhle. Wichtig war, dass die Menschen absolut nichts tun durften während der Inkubation. Man legt sich nieder als wäre man tot und irgendwann kam die Phase, da man aufhört sich gegen die Situation zu wehren – dann erst war man bereit für eine Vision.

Wenn die Inkubation in Zusammenhang mit einer Krankheit durchgeführt wurde, galt man als geheilt, wenn man in der Vision einem Gott Angesicht zu Angesicht gegenüber stand. Manchmal haben auch die Priester oder Ärzte anstelle der Patienten die Inkubation durchgeführt. Dabei empfingen sie Hinweise auf die passende Medizin. Sogar Hippokrates von Kos, der berühmteste Arzt der Antike und Begründer unserer modernen Medizin hat beim Zusammenstellen seiner Schriften auf die Ergebnisse medizinischer Inkubationen zurückgegriffen. Wenn man so will, liegen auch die Wurzeln unserer Medizin in dieser historischen, beinahe vergessenen Ritualpraxis.

Was passiert denn nun während einer Inkubation? Manche Autoren beschreiben sie als einen eigenartigen Zustand, der „weder Schlafen noch Wachen“ sei. Axel, der ihn selber in den 3 Wochen erlebt hat, als er sich in seiner abgedunkelten Wohnung eingeschlossen hatte, sagt, dass dieses Gefühl unmöglich mit Worten zu beschreiben ist. Es hält es für gefährlich, es überhaupt zu versuchen. Menschen greifen bei Hören von Worten immer auf das zurück, was sie bereits kennen. Im Fall der Inkubation würde das fast immer auf eine falsche Fährte führen.

Fakt ist: der Zustand ist mit nichts  zu vergleichen, was man aus dem normalen Leben kennt. Manche sprechen von „out of body experience“, was die Sache auch nicht verständlicher macht. Schon assoziiert man eine Nahtoderfahrung. Manchmal wurden auch Drogen dazu verwendet, sodass man auch von einem rauschartigen Zustand sprechen könnte.

Aber egal. Wichtig ist, was jeder einzelne in seiner persönlichen Inkubation erlebt. Es handelt sich um eine so massive emotionale Grenzsituation, dass sie das gesamte Leben danach verändern kann. Darum spricht man auch von einer Initiationserfahrung. Man wird ein eine andere Welt initiiert, die vielleicht schon lange da war, jedoch nicht erkannt wurde. Am Ende davon steht eine veränderte Wahrnehmung des eigenen mentalen Raumes.

Dass man in der Antike solche Erlebnisse als Begegnungen mit dem Numinosen, dem Göttlichen, gedeutet hat, erschließt sich aus der damaligen Kultur. Heute würde man aus dem Bereich der Neurowissenschaften argumentieren – ein Fachgebiet in dem es bekanntlich auch noch mehr Fragen als Antworten gibt. Das Mysterium Mensch eben – Bestie und genialer Homo Faber in einem.
Patrizia, 12.01.2016·Kommentar schreiben
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